Motivation

Lernen und Wissensmanagement werden in einer Welt, die sich zunehmend durch Digitalisierung, Beschleunigung und immense Datenmengen auszeichnet, zu neuen Herausforderungen.
So wird Wissen stetig dynamischer. Das was heute als Wissen gilt, kann morgen bereits veraltet oder um neue Informationen bereichert sein. Im Kontext dieser Entwicklungen gewinnt das Potential lebenslangen Lernens eine bedeutende Rolle. Menschen müssen in die Lage versetzt werden, sich möglichst effektiv aktuelle Informations- und Wissensbasen zu schaffen.
Der stetig steigende technologische Fortschritt eröffnet dabei vielfältige mediale Unterstützungen. Mobile Endgeräte wie z.B. Laptop, Smartphone, Tablet-PC oder E-Reader sind bereits ein fester Bestandteil des Alltags geworden und tragen zur Allgegenwärtigkeit medialer Angebote bei. Dasselbe gilt für soziale Medien wie Foren, Blogs, Wikis oder soziale Online-Netzwerke, die das Teilen, Kommentieren, Bewerten und Editieren digitaler Inhalte ermöglichen. Dabei kann man gemeinsam an Projekten arbeiten (z.B. Wikipedia), über Probleme diskutieren und Antworten finden (z.B. Foren), auf Basis von Empfehlungen konsumieren (z.B. Amazon), Gleichgesinnte (z.B. Twitter, Partnerbörsen) oder Unterstützer entdecken. All dies erfolgt schon heute zu einem großen Teil über mobile Endgeräte.
Wissen ist allgegenwärtig verfügbar und nicht nur junge Menschen entdecken zunehmend die Vorteile dieser Medien. Wie wir diese Technologien nutzen können, um Menschen jeden Alters und sozialen Hintergrunds das flexible Lernen in der Informationsgesellschaft zu erleichtern, steht im Mittelpunkt dieses Forschungsprojektes.

Projektziel

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie soziale und allgegenwärtige Medien zukünftig genutzt werden können, um Menschen jeden Alters und jeder sozialen Herkunft bei der Aneignung von Wissen zu unterstützen. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen zu erforschen, um diese auf die Anforderungen und das Potenzial allgegenwärtiger Bildungs- und Informationssysteme zu übertragen.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll ein Lernbrowser entwickelt werden, die sich den individuellen Bedürfnissen anpasst und flexible Möglichkeiten zur Information und Wissensgenerierung bietet.
Aus informationstechnologischer Sicht steht dabei die Entwicklung geeigneter Software Engineering Methoden und Modelle für die Spezifikation, Realisierung und Anpassung von ubiquitären Bildungs- und Informationssystemen im Vordergrund. Die benutzergerechte Gestaltung eines solchen Systems werden ebenso betrachtet wie Konzepte für die Integration, Verknüpfung und Qualitätssicherung verschiedener Lerninhalte. Hier soll die Verwendung von semantischen Modellen und Umgebungsinformationen helfen, Inhalte zu verbinden, eine intelligente Anpassung an den Nutzungskontext zu ermöglichen und damit die situationsspezifische Unterstützung eines jeden Nutzers zu gewährleisten.

Projektnutzen

Weil Lerninnovationen heutzutage stark mit allgegenwärtigen und sozialen Medien verbunden sind, stehen wir vor zwei Aufgaben: Zum einen müssen wir die gewünschten Informationen aus der schier unendlichen Datenmenge des Webs herausfiltern und bewerten können. Zum anderen müssen wir die Fähigkeit entwickeln, diese Informationen in neuen Lernkontexten anzuwenden. Um diese Aufgaben unterstützen zu können, gilt es die Informations- und Wissensaneignung im Kontext mediatisierter Lebenswelten aus Nutzerperspektive zu erforschen. Die Erkenntnisse werden in die Entwicklung eines Demonstrators einfließen, der allgegenwärtige und soziale Lernsituationen mit neuen Technologien, wie z.B. ontologischer Software, mobilen Geräten, kontextadaptiven Benutzerschnittstellen oder neuartigen Bildschirmlösungen bereichert. Mit dem Anspruch auf eine breite Einsetzbarkeit in Wirtschaft und Gesellschaft, möchte das Forschungsprojekt SESAM damit einen Beitrag leisten, die Zukunft des Lernens vielfältiger und individueller zu gestalten.

Projektergebnisse

Sowohl von Seiten der Kunstpädagogik (KDNM) als auch von den Kommunikationswissenschaften (IfK) wurden die beiden Zielgruppen "Jugendliche" und "Senioren" im Hinblick auf ihr Lern- und Medienverständnis untersucht. KDNM hat dazu in einem qualitativen Forschungsdesign die Vorstellungen und Handlungsmuster beim Lernen von Senioren und Jugendlichen im Kontext ihrer Mediennutzung eruiert. In einer Gruppendiskussion stellte sich heraus, dass der Lernbegriff beider Generationen vor allem institutionell geprägt ist. Vor allem Schüler unterscheiden stark zwischen informellem Informieren und Lernen. Im Unterschied zu Senioren, die traditionelle Medien zum Wissenserwerb bevorzugen und der Vielfalt und Unübersichtlichkeit des Internets eher skeptisch gegenüberstehen, lernen Jugendliche auch gerne über das Internet. Dennoch stellt die rasante technologische Entwicklung für ältere Menschen eine Herausforderung dar, sich stetig mit neuem und vielseitigem Wissenserwerb auseinanderzusetzen. ... weiterlesen




Publikationen

Gestaltung eines individuellen Lernraums. Konzept eines ubiquitären Informations- und Bildungssystems,

In: Rummler, K., (Hrsg.) Lernräume gestalten - Bildungskontexte vielfältig denken. Medien in der Wissenschaft, Band 67. Münster/ New York: Waxmann, S. 592-598, 2014,

Grit Steuer, Rebecca Renatus, Jörn Pfanstiel, Ingo Keller & Franziska Uhlmann.


Ein Weg und drei Hindernisse - Vier Thesen zu Berührungs- und Reibungspunkten beim intergenerativen, medial vermittelten Lernen und Lehren,

Vortrag auf der Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft am 13./14. November 2014 in Augsburg,

T. Philipp, G. Steuer.


Informationsbezogene Mediennutzung Jugendlicher und Senioren in (Online-)Communities,

In: Köhler, T. & Kahnwald, N. (Hrsg.) Online Communities: Enterprise Networks, Open Education and Global Communication. Tagungsband der 14. Tagung der Gesellschaft Neuer Medien (GeNeMe), Dresden: TUDPress, 2014

Katrin Etzrodt, Rebecca Renatus & Franziska Uhlmann.


A Visualization Concept for Mobile Faceted Search. Human Interface and the Management of Information. Information and Knowledge Design and Evaluation,

Lecture Notes in Computer Science, Volume 8521, pp 128-136, 16th International Conference on Human-Computer Interaction, 2014,

Bianca Zimmer, Romina Kühn, Thomas Schlegel.


Potenziale mobiler Endgeräte für die Nutzung im kollaborativen Lernen,

Mensch & Computer 2014, Workshop Blended Interaction, München, 31. August-3. September 2014

Romna Kühn, Beatrice Moltkau, Thomas Schlegel.


Informations- und Wissensaneignung in ubiquitären und sozialen Medien,

Vortrag in der Vortragsreihe eScience Saxony Lecture, TU Dresden, 22.01.2014,

Ingo Keller, Katrin Etzrodt.


Ubiquität und Medienkonvergenz-Informationsselektion in verschwindenden und verschmelzenden Medien,

In: Natascha Zowislo-Grünewald, Jörg Jacobs und Franz Beitzinger (Hrsg.): Social Media in der Lebenswelt und Berufswahl Jugendlicher-Who cares? , Nomos-Verlag, Baden-Baden 2013,

Etzrodt, K. & Müller, D.


Wie die mobile Internetnutzung die Lebenswelten von sächsischen Schülern prägt.

Vortrag im Rahmen der 13. Tagung der Gesellschaft Neuer Medien GeNeMe, Dresden, 07. Oktober 2013,

Hagen, L.M., Renatus, R. & Schenk, S.


Scientific Blogging,

Workshop at International Summer School 2013 "Digitization and its Impact on Society", TU Dresden, Dresden Center for Digital Linguistics, 30. September 2013,

Renatus, R. & Etzrodt, K.


An Interaction Concept for Public Displays and Mobile Devices in Public Transport

Human-Computer Interaction. Interaction Modalities and Techniques, Springer, 2013, p. 698-705

15th International Conference on Human-Computer Interaction, 2013,

Romina Kühn, Diana Lemme, Thomas Schlegel.


A Prototyping and Evaluation Framework for Interactive Ubiquitous Systems

Distributed, Ambient and Pervasive Interactions, Springer, 2013, p. 215-224

15th International Conference on Human-Computer Interaction, 2013,

Christine Keller, Romina Kühn, Anton Engelbrecht, Mandy Korzetz, Thomas Schlegel.


An Ontology-based Interaction Concept for Social-aware Applications

Human-Computer Interaction. Towards Intelligent and Implicit Interaction, Springer, 2013, p. 46-55

15th International Conference on Human-Computer Interaction, 2013,

Alexandra Funke, Sören Brunk, Romina Kühn, Thomas Schlegel.


Mediale Ubiquität als Faktor jugendlicher Lebenswelten. Aktivitäten, Motive und Wertvorstellungen der Unterwegsnutzerinnen und -nutzer des Internets.

Merz - Medien + Erziehung, 57, 6, S. 53-70, 2013,

Hagen, L.M., Renatus, R. & Schenk, S.


Projektbeteiligte

Projektlaufzeit

01.08.2012 - 31.12.2014

Förderung

Das interdiziplinäre Projekt SESAM der TU Dresden wird durch die Europäische Union, den Europäischen Sozialfonds und den Freistaat Sachsen gefördert.